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04.12.2013 Badhaus

Joachim Kraus aus Wunsiedel wird als neuer Gast begrüßt. Er schreibt gerne Gedichte (zum Thema Glück hat er bereits 90 Stück verfasst) und beschäftigt sich sehr tiefgründig mit Jean Pauls Werken.

Gleich zu Beginn gibt er uns eine Kostprobe dieser Leidenschaft. Nachdem er eindrucksvoll sämtliche Lebensdaten zu Jean Paul auswendig vortragen konnte, liest er sein Gedicht „Auge in Auge mit Jean Paul“ vor. Darin betrachtet er jedes Detail Jean Pauls auf einem Gemälde, immer intensiver, bis er denkt, er stehe lebendig vor ihm – bis er sich wieder bewusst wird, dass der Künstler bereits tot ist. Auch seine „Pflichtlektüre für Wunsiedel“  handelt vom umstrittenen Schriftsteller, der bis in die Gegenwart polarisiert. Manche zeigen gar kein Interesse an seinen Werken, für manche sind sie zu schwierig, und nur wenige lassen sich von seinen teils verworrenen , fantasievollen Texten mitreißen. Eins ist zumindest sicher: Wer Jean Paul liest, genießt ein hohes Ansehen.

Ludwig Dippold präsentiert daraufhin seine spannende Geschichte „Die Frau im Kapuzenmantel“. Die Schreibvorgabe lautete, etwas zum Thema „Donnerwetter“ in 30 Minuten zu verfassen. Die Geschichte spielt in einer nächtlichen Stadt, man hört einen lauten Schrei, doch nichts passiert. Nur eine alte Dame am Kellerfenster beobachtet, wie eine dunkel gekleidete Person vor ihrem Haus zu Boden geht. „Donnerwetter!“, ist ihr erster Kommentar. Als sie die Person vorsichtig näher in Augenschein nimmt, stellt sie erschrocken fest, dass es eine unter ihrem Mantel fast völlig nackte Frau ist („Wenn das mein Erwin sieht!). Was wohl mit dieser Frau passiert ist?

Ilse Pfitzner hat zu ihrer persönlichen Textsammlung „Enjoy difference – start tolerance“ einen neuen Beitrag parat. Am Strand im Jugoslawien-Urlaub lernen Ilse, ihr Mann und ihre Kinder eine nette, serbokroatische Familie kennen. Die Frau ist Deutschlehrerin, der Mann Mediziner. Sie werden nach dem Urlaub erneut zu ihnen zum Essen eingeladen. Für Ilses Familie sind die Bräuche ihrer Gastgeber gewöhnungsbedürftig. Frauen nehmen ihrem Sohn das Gepäck ab und ihr Mann bekommt als Ehrengast Hammelaugen als Delikatesse vorgesetzt. Als die Serbokroaten später nach Kulmbach eingeladen werden, kommen sie zu acht und sorgen für viel Tohuwabohu. Leider fällt die Familie Jahre später dem Krieg zum Opfer, ihr Haus wird angezündet und Ilses Briefe bleiben unbeantwortet…

Im Anschluss macht Franziska Weiß auf Sophie Paulchens Blog (www.paulchen-bloggt.de) aufmerksam, in dem man im November täglich einen Gedichtimpuls erhielt. Der Text „Laternenhorror“ erzählt von persönlichen Erfahrungen mit St. Martin, die weniger vom mantelteilenden Heiligen als vielmehr von plärrenden Kinderscharen, keifenden Müttern und überforderten THW-Mitgliedern handeln. Eine andere Aufgabe lautete, aus einem Buch den ersten Satz der 36. Seite zu nehmen. Heraus kam ein Gedicht über das Wesen der Erinnerungen.

„Bruchstücke nehmen wir wahr darum sind nie die Erinnerungen lückenhaft, sondern nur unsere Konzentration.“

Thomas Seubold verdreht mit seinen wirren Wortspielen wieder einmal die Köpfe der Literaten. Da gibt es eine Zeitungsannonce, wo ein Skiläufer eine „in die Jahre gekommene Pistensau“ zum „gemeinsamen Skischuhkauf“ sucht. Auch „Überbrückungszeiten“ sind ein Thema, der Erzähler ist wütend über den Betrug seiner Frau nach all der Zeit, in der er ihre „Seelenkartei auf den neuesten Stand“ brachte.

Auch der Text mit dem eher banalen Titel „Potpourri“ bietet zündende Worte.

„Dein Monolog hat dich verlassen So wie der Interregio sein Fahrplanheft.“

Völlig konfus wird es in seinen düster geschilderten Eindrücken, die der Autor „Advent, verklemmt“ nennt. Nur wenige eindeutige Sätze finden sich in den faszinierenden Wortbildern.

„Ein Regen wie aus einem Guss verhindert dein Wurzelschlagen.“

Der Autor erklärt abschließend, dass er nicht darauf abziele, seinen Zuhörern  den ganzen Text verständlich zu machen. Er freue sich darüber, dass einige wenige Begriffe dafür umso mehr haften blieben wie ungewöhnliche Pinselstriche eines abstrakten Gemäldes.

Michael Asads witzig-spannende Geschichte dreht sich um „Die Briefmarke“, die das Leben seines jungen Erzählers zerstört hat. Er blickt zurück auf einen Abend mit Kumpels, an dem (ohne die erhofften Mädchen) gefeiert und gesoffen wird. Am nächsten Morgen erhält er einen Kontrollanruf seiner perfekten Freundin Monique, die sich erkundigt, ob er schon einen neuen Job habe. Obwohl er mit seiner Stelle als Packer zufrieden ist, schreibt er eine Bewerbung. Postwendend erhält er die Antwort des Arbeitgebers, der völlig begeistert vom Lebenslauf des Erzählers ist. Nur leider kann seine Bewerbung nicht berücksichtigt werden, denn – der Brief war unterfrankiert. Von nun an geht alles den Bach hinunter: Die enttäuschte Monique macht Schluss, auf der Straße stürzt der Pechvogel und kommt verletzt ins Krankenhaus, bekommt vor lauter Stress Herpes und seine Vermieterin (Moniques Mutter) wirft ihn aus der Wohnung. Als er sich bald darauf eine Zeitung kaufen will, erfasst ihn ein LKW. Doch der Tod ist nicht das Ende der Geschichte…

 

Evi Weier sorgt daraufhin für allgemeine Erheiterung. Sie liest einen Grundschulaufsatz von 1957 vor, in dem sie als kleines Mädchen für ihre Mutter Obst und Gemüse auf dem Markt kauft. Die kleine Evi kauft von jeder Sorte ein paar Pfund und trägt sie tapfer nach Hause. Die Zuhörer lachen, denn die damals junge Autorin hat wohl nicht bedacht, dass ihre Einkäufe sich schlussendlich auf über 30 Pfund belaufen. Aber natürlich muss noch ein Sack Kartoffeln mit.

Mit Siegfried Skowroneks Texten wird es weihnachtlich in der Literatenrunde. Sehr poetisch schreibt er von schneebedeckten Landschaften, vom Wunder der Geburt Jesu und von dessen Wirken in unserem Leben.

„Nur wer glaubt, kann das Wunder verstehen.“

Auch über das vergangene Jahr denkt der Autor nach und vergleicht es mit einem bunten Theaterstück, auf das jeder Mensch eine eigene Sichtweise hat.

Markus Ramming liest zunächst einen 1972 verfassten Text von Rudolf Walter Leonhart, einem Redakteur der ZEIT, vor. Darin geht es um die Gegenüberstellung der Argumente von Befürwortern und Gegnern des christlichen Weihnachtsfestes. Die einen wettern gegen den „Konsumfetischismus“, die anderen wiederum plädieren für die Weihnachtsfeiertage und Wünsche der Kinder.

Von diesem Text inspiriert, hat Markus ein Kinder-Drehbuch verfasst. Thema ist die Weihnachtsgeschichte, auf moderne Art erzählt. In drei Akten versucht Happy, seinen Freund Trübi vom Zauber und der Freude an Weihnachten zu überzeugen. Letzterer lehnt Fröhlichkeit und Feste grundsätzlich ab. Happy schickt ihn zu Herrn (Schlau-)Meier, der eine Idee hat: An Weihnachten geht er mit Trübi spazieren. Als dieser über Kälte und Erschöpfung nörgelt, erzählt ihm Herr Meier die Geschichte von Josef und Maria, die sich in dergleichen Situation befanden. Trübi beginnt, zu verstehen. Als nach einer gefühlten Ewigkeit des Umherwanderns Happy den beiden die Tür öffnet, ändern auch Trübi seine Meinung über das Weihnachtswunder.

Abschließend gibt Evi Weier ihr bei einigen Anwesenden schon bekanntes Gedicht „Advent“ zum Besten. Darin überlegt sie auf amüsante Art und Weise, was denn wäre, wenn wir vor dem Adventsstress in Richtung Süden fliehen würden.

„Kann denn unter wiegenden Palmen

Der Weihnachtsgedanke gedeih’n?

Und wie ist es mit Singen von Psalmen,

Bei 40° am Christfest sich freu’n?“

Außerdem hatte sie zum Reizwort-Impuls „Mülltonne – Kettensäge – Engel“ ein paar witzige Zeilen verfasst. Auch diesmal sorgt die Geschichte vom tollpatschigen Engel, der sich versehentlich mit der Kettensäge die Flügel stutzt, für Gelächter.

Abschließend gibt Evi Weiher ihr bei einigen Anwesenden schon bekanntes Gedicht „Advent“ zum Besten. Sie hatte es zum Reizwort-Impuls „Mülltonne – Kettensäge – Engel“ verfasst. Auch diesmal sorgt die Geschichte vom tollpatschigen Engel, der sich versehentlich mit der Kettensäge die Flügel stutzt, für Gelächter.

Franziska Weiß

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