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Stammtisch Café Klatsch am 17.03.2014

Zu Beginn des Abends im Café erzählt Karin Minet von ihren Eindrücken auf der Leipziger Buchmesse, zu der die Buchhandlung Friedrich immer eine Busfahrt organisiert. „Ihr könnt gleich alle mit dem Schreiben aufhören“, witzelt sie, „denn bei dieser Masse an Büchern muss doch alles schon einmal aufgeschrieben worden sein – wer soll das alles lesen?“ Nichtsdestotrotz seien die Messestände und Lesungen sehr abwechslungsreich und unterhaltsam gewesen.

Klaus Köstner beginnt den Abend mit einem Zitat.

„Zeige einem guten Menschen seinen Fehler und er wird dir dankbar sein.

Zeige einem bösen Menschen seinen Fehler und er wird dich hassen.“

Ursula Zehn, die nun offiziell Mitglied ist, liefert den ersten Beitrag des Abends. In der Schreibwerkstatt bei Birgit Hächl in Alladorf sind wieder kreative Texte entstanden. Aufgabe war es, fünf Fragen aufzuschreiben, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen, und diese untereinander auszutauschen. Zu einer Frage wurde dann ein Gedicht geschrieben. Auf die Frage „Liebst du Katzen?“ schrieb Ursula eine herzerwärmende Erzählung über zwei Katzenbabys, die im Wald gefunden und anschließend liebevoll aufgepäppelt werden.

Der Text „Muss man?“ von Markus Ramming stimmt die Zuhörer nachdenklich.

„Muss man daran erinnert werden, dass in Deutschland wieder Superstars

gesucht, doch nie gefunden werden?“

Dieser lockerleichte Einstieg wird rasch vertieft in ernstere Themen wie Atomreaktoren und ihre katastrophalen Auswirkungen auf Umwelt und Menschen, die die Menschen genauso verdrängen. Der Autor bedauert, dass wir es passiv über uns ergehen lassen, wenn um uns herum Umweltverschmutzung, Tierquälerei und Menschenausbeutung um sich greifen.

Sein Fazit: Umdenken - wenn nicht jetzt, wann dann?

In seinem zweiten Text berichtet er in Mundart von einem feuchtfröhlichen Abend im Wirtshaus: „Ein himmlisch´ Prost auf Kulmbachs Kommun!“

Vor allem über den ersten Text wird noch eifrig diskutiert. Karin Minet lobt den Stilmix, der eine besondere Spannung erzeugt, Thomas Seubold findet, das Gedicht wäre auch als kritischer Artikel in einer Zeitschrift denkbar.

Brigitte Binder überrascht mit einem originellen Text zur „Fastenzeit“. Man hört eine Person sprechen, sie bekommt keine Antwort, auch wenn sie die Person noch so sehr bedrängt, sich mit Worten Erleichterung zu verschaffen.

Doch am Ende lenkt sie ein.

„Fasten wir heuer mit Worten.“

Eine weitere Episode aus Jürgen Kohlbergers Kindheit hören wir aus seinen erstaunlich detaillierten Aufzeichnungen, die er wie an den vergangenen Stammtischabenden mitgebracht hat. Diesmal erzählt er von der Nachkriegszeit in Untersteinach, davon, wie sich die Menschen auch mit alten Lebensmitteln wie altem Kaffeesatz zufrieden gaben und von den freundlichen amerikanischen Soldaten, die ihn oftmals mit Süßigkeiten vollstopften. Er berichtet von seinem ersten Schultag und der Schultüte voller Zwieback und Zuckerstücke und nicht zuletzt von seiner eigenen „Chipsfabrik“, in der er mit einem Freund aus Kartoffeln die Köstlichkeit nachmachen wollte, aber dabei ein heilloses Chaos anrichtete.

Daraufhin kommt in der Runde wieder das Thema der Lebensmittelverschwendung in der heutigen Zeit auf. Dass genießbare Lebensmittel aufgrund gesetzlicher Richtlinien aus den Regalen der Supermärkte in den Container gelangen, ist für viele eine schwer erträgliche Wahrheit.

Thomas Seubold wirbelt daraufhin die Literaten gründlich auf. Wie am Fließband überschüttet er die Zuhörer mit Wortwitzen, kurzen Anekdoten über eine Frau, die nicht lieben kann, Träumen von Eisstockschießen und einem zerzausten Engel in Strumpfhosen, Zitaten über seltsame Orthopädiegeräte und Gedichte mit markanten Sätzen.

„Liebe und Verliebtsein sind Geschwister, die sich aus den Augen verloren haben. […]

Dein Gehen hätte kein Anfang und kein Ende.“

Im Minutentakt lachen die Anwesenden Tränen, dann wiederum verfallen sie in nachdenkliches Schweigen oder staunen über obskure Wortbilder – der Autor, einem Profischauspieler gleich, verzieht dabei keine Miene.

Anknüpfend an Thomas Seubolds Träume hat auch Brigitte Binder noch einen Traum von 2009 in petto, den sie in ein wunderschönes Gedicht umgewandelt hat. Es erzählt von bedeutungsvollen Verwandlungen. Zunächst war die Erzählerin grünes Moos und ein Tiger kuschelte mit ihr, dann ein Wurm, den der Adler jedoch übersah. Zuletzt verwandelte sie sich in eine Wolke.

„Gott schickte den Wind und lehrte mich Tanzen und Weinen.“

Joachim Kraus, der mit seiner Frau gerne ins Ballett geht, hat ein sehr elegantes Gedicht über diese Kunst geschrieben.

„In der Gruppe und als Paar,

konzentriert bis aufs Haar.“

Besonders gefällt den Literaten die Formulierung der „getanzten Poetik“. Sehr beeindruckend kommt auch der Satz an, den er von seiner Frau zitiert: „Tanzen ist Beten mit den Füßen.“

Anschließend liest der Autor wunderschöne Gedichte vor über die Ruhe und den Frieden im Wald, über einen übermütigen Wildbach und über den Abschied vom kalten, grauen Winter.

Karin Minet lobt den Facettenreichtum des Autors, der bereits sehr unterschiedliche Themen, Textformen und Stilrichtungen präsentierte. Nur Prosa haben wir noch nicht von ihm gehört – aber das kann ja noch kommen.

Margarete Biedermann beendet den Abend mit einem ihrer typischen Dreizeiler, der in der nachdenklichen Stille wie ein Echo der Gedanken wirkt.

„Die Geheimnisse

hinter der Ikonenwand

sind göttlich und groß.“

 Franziska Weiß

 

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