HintergrundVerein1

Meine Scheibe vom Glück

 

Heut früh war ich beim Onkel Doktor, beim Internisten. Leider. Denn irgendwo leidend ist man ja immer, und falls nicht, dann ist man es allerspätestens dann, wenn man endlich aus dem Sprechzimmer rauskommt. Gibt genug Krankheiten, und Tag für Tag kommen ein paar neue dazu. Drum ist es jetzt amtlich, ich bin noch hundertfach kränker als krank. Und alles wegen irgendwas, als ich angerufen habe, zwecks Terminanmeldung zur Generaluntersuchung, da müssen die was in den falschen Hals gekriegt haben. Wahrscheinlich deshalb, weil ich da der Sprechstundenhilfe gesagt hab, ich hab nur Cholesterin, sonst nix. Drum hat die mich zur Strafe gleich zum Doktor persönlich durchgestellt:

 

Labor?

Ja.

EKG?

Ja.

Ultraschall?

Ja.

Langzeit-Blutdruck?

Ja.

Koloskopie?

???

Darmspiegelung?

Na gut.

Röntgen?

Nein, Herr Doktor, ich kenn mich durch und durch!

 

Das fand der nicht witzig. Deswegen hat der gleich am Anfang so grantig geschaut.

Und schon ging’s los. Verkabelt, verstöpselt, gestrampelt, mit dem zittrigen Streifen Papier. Speichel, Blut und Urin, Tod und Tollwut. Abgetastet, auskultiert, durchleuchtet. Zwei Stunden und 45 Minuten.

Und nun, wie gesagt, bin jetzt noch kränker als krank, also fast schon in Eiche furniert. Als da sind: Cholesterin, Hypertonie, Hyperurikämie, Gastritis, chronische Polytoxikämie, Rücken, Darmdivertikel, Herzinsuffizienz, Asthma bronchiale, Gluten- und Laktose-Intoleranz. Und eine Fettleber, das einzige Wort, das ich verstanden habe.

Egal, jetzt erst mal durchgeschnauft, ich bin ja allen Ernstes noch am Leben. Und etwas fürs Gemüt, eine dicke Scheibe weißen Presssack. Meine dicke Scheibe vom Glück. Also, an Gut‘n!

Martin Meyer

August 2018

HintergrunedVereinLeisteROT

Mitglieder

Termine

Archiv

logo

Bücher

Tagebuch

Presse

Home

Besucherzähler Test

 

Datenschutzerklärung